
Dr. Lis Hannemann-Strenger
Geschäftsleitung Strenger Gruppe
Lis hat Betriebswirtschaftslehre studiert und anschließend an der RWTH Aachen promoviert. Nachdem sie bei McKinsey gearbeitet hat, stieg sie vor etwa zehn Jahren in das elterliche Familienunternehmen Strenger mit ein. Dort verlief ihr Weg über den Vertrieb, dessen Leitung und schließlich in die Geschäftsführung der Strenger Gruppe. Ihr tief verankertes Herzensthema und ihre Motivation sind dabei die Menschen. Als Mutter von fünf Kindern verbindet sie eindrucksvoll die beiden Sphären Family und Business. In unserem Interview konnten wir mit Lis spannende Eindrücke aus ihrer Tätigkeit im Familienunternehmen und den damit verbundenen Besonderheiten gewinnen. Darüber hinaus gibt sie uns wertvolle Insights, die insbesondere die Doppelrolle als Mutter und Verantwortungsträgerin beleuchten.
Lis, Du bist Teil eines dreiköpfigen Geschäftsführungsteams der Strenger Gruppe. Wie teilt Ihr Euch die Themen auf? Was sind Deine Schwerpunkte?
Im Geschäftsführungsteam arbeiten wir eng zusammen und stehen in ständigem Austausch. Tatsächlich gibt es bei uns täglich Hunderte von Nachrichten in unserer WhatsApp-Gruppe (lacht). Ich verantworte dabei die Premium Produkte, Region Baden-Württemberg. Darüber hinaus beteilige ich mich noch am Marketing, der Strategie und weiteren Führungsthemen. Dabei ist es mir ein besonderes Anliegen, Impulse bei den Mitarbeitenden zu setzen. Ein offenes Ohr für ihre Wünsche und Bedürfnisse zu haben, ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Ich versuche hier selbst „Mut zur Verletzlichkeit“ zu zeigen, um eine offene Gesprächskultur zu fördern.
Was heißt unternehmerische Verantwortung für Dich? Ist dies eine andere in einem Familienunternehmen?
Für mich ist unternehmerische Verantwortung nicht nur gegenüber unseren Mitarbeitenden, sondern auch gegenüber den Familien, die hinter unseren Mitarbeitenden stehen, von großer gesellschaftlicher Bedeutung. Wir schaffen nicht nur Arbeitsplätze, sondern tragen auch die Verantwortung für die Werte, die unser Unternehmen verkörpert. Als Familienunternehmen haben wir den Vorteil einer langfristigen Perspektive und sind nicht dem externen Druck von Investoren ausgesetzt. Das ermöglicht es uns, auch schwierige Phasen mit den Ressourcen und der Unterstützung unserer Familie zu bewältigen.
Zudem leitet sich aus unserer Produktpalette, nämlich der Schaffung von Wohnraum, eine besondere unternehmerische Verantwortung ab. Wohnraum ist ein Grundbedürfnis der Menschen, ein Ort des Lebens, ein Zuhause, an dem man sich geborgen fühlt und wo man Zeit mit seinen Liebsten verbringt.
Wie gelingt es Euch die Unternehmenswerte erlebbar zu machen?
Wir setzen alles daran, unsere Unternehmenswerte auf vielfältige Weisen zu kommunizieren und vorzuleben. In unseren Regionalbüros sind diese Werte sichtbar verankert, und jeder Mitarbeitende erhält ein „Strenger-Werte-Buch“. Darüber hinaus ist unsere Art der Führung ein entscheidender Faktor. Als Geschäftsführung und Unternehmensfamilie gilt es diese Werte tagtäglich vorzuleben. Nicht nur, aber auch in der direkten Kommunikation. Wir führen viele Gespräche mit unseren Mitarbeitenden – mir ist direktes Feedback sehr wichtig, und wir sind stets vor Ort präsent.
Die Menschen stehen bei uns einfach im Mittelpunkt, und dieser Ansatz prägt unsere Unternehmenskultur. Ich versuche immer persönliche und kulturelle Hintergründe sowie Geschichten, die jede:r Einzelne mit sich bringt, zu berücksichtigen. Das beeinflusst zum Beispiel auch die Zusammenstellung der Teams. Die Dynamik in einem Team kann förderlich oder herausfordernd sein. Daher ist es wichtig, die Stärken und Schwächen der Teammitglieder zu erkennen und im Teamkontext zu berücksichtigen.
Nun lässt sich aber doch nicht immer jeder Mitarbeitende rein nach seinen Stärken einsetzen, oder?
Wir versuchen hier zumindest unser Bestes! Am Ende gilt es aber auch hier, immer einen offenen Austausch zu pflegen und vor allem genau hinzuhören. Manche Menschen sind sehr dankbar, wenn sie in Ihrer Weiterentwicklung Impulse von uns bekommen, manche möchten ihren Job oder das Team nicht wechseln – und das muss dann auch voll O.K. sein, am Ende darf das jede:r bei uns für sich entscheiden.
Karriere und Mutter – wie schafft man es als fünffache Mama auch eine erfolgreiche Unternehmerin zu sein? Und wie hilft Dir das Muttersein sogar als Unternehmerin?
Die Vereinbarkeit von Karriere und Mutterschaft ist zweifellos eine Herausforderung. Mir hat es geholfen, den Perfektionismus loszulassen und sich auf die Aufgaben zu konzentrieren, bei denen man wirklich einen Unterschied machen kann. Außerdem hilft es mir, während ich an einer Aufgabe arbeite, voll und ganz präsent bei dieser Aufgabe zu sein und in dem Moment mein Bestes zu geben. Bin ich also im Unternehmen, bin ich Unternehmerin. Bin ich bei meinen Kindern, bin ich Mutter. Ich habe zum Beispiel aufgehört, Mails zwischendrin zu beantworten, sondern nehme mir für meine Rollen so gut es geht ganz dediziert Zeit. Natürlich wünscht man sich manchmal, dass der Tag mehr Stunden hat, aber ich finde immer Zeit für das, was mir wirklich wichtig ist. Die Priorisierung von Aufgaben ist hierbei entscheidend.
Besonders im Zusammenhang mit unserem Unternehmen und dem Umfeld der Familie finde ich Inspiration in vielen anderen Müttern im Unternehmen. Der hohe Frauenanteil von 50 % in unserer Firma macht mich besonders stolz. Der Austausch und die gegenseitige Inspiration sind für mich von unschätzbarem Wert. Ich bin begeistert davon, wie effizient Mütter meistens arbeiten, weil Sie schlichtweg weniger Zeit zur Verfügung haben.
Eure Stiftung ist eng mit dem Kernprodukt des Unternehmens verbunden, wieso gibt es sie?
Für mich waren soziale Themen immer schon eine Herzensangelegenheit. Schon während des Studiums gründete ich deswegen zum Beispiel eine Hilfsorganisation, die Krankenwägen nach Afghanistan schickte und dort Frauenkrankenhäuser unterstützte.
Bei unserer Stiftung jetzt, die damals von meinen Eltern gegründet wurde, war die Idee ursprünglich Wohnraum für Obdachlose zu schaffen. Mein Impuls war zum Beispiel die Schaffung eines Zuhauses für Kinder. Kinder, die im Kinderheim waren, landen meistens mit 18 Jahren auf der Straße. Mit der Stiftung können wir ihnen eine Zwischenstation anbieten und gemeinsam helfen, sie in ihrem Leben zu unterstützen und sie weiter darauf vorzubereiten.
Stell Dir vor, wir sind im Jahr 2043, welche drei Trends werden die Wirtschaft und Gesellschaft beeinflusst haben und was wünscht Du Dir?
ines der Themen ist sicher Nachhaltigkeit, etwas, was die Baubranche leider erst spät erreicht hat. In diesem Zusammenhang wird die Materialität, die Prozesse und die Frage nach der Herkunft der Ressourcen entscheidend sein. Die Digitalisierung hat bereits jetzt weitreichende Auswirkungen und diese werden in Breite und Tiefe zunehmen, speziell in puncto KI. Ich glaube aber, dass dadurch der Mensch noch wichtiger wird. Echte Beziehungen zwischen Menschen und deren Interaktion werden, entgegen vieler Meinungen, einen größeren Stellenwert gewinnen. Global gesehen wird auch die wirtschaftliche Weiterentwicklung von Regionen, wie beispielsweise Afrika, neue Gesellschaften entstehen lassen. In diesem Zusammenhang wünsche ich mir, dass die Kulturen weltweit zu gemeinsamem Wachstum finden. Weiter heruntergebrochen wird das Grundbedürfnis Wohnen bleiben, jedoch wird sich, denke ich, die Art und Weise relevant verändern.